Mit dem dreiteiligen Projekt „Dialog für Gendersensible Politikgestaltung“ initiierte das Deutsch-Albanische Netzwerk für Politisches Engagement (DANPE) gemeinsam mit dem Kosovar Gender Studies Center (KGSC) einen transnationalen Austausch zwischen politische Aktivistinnen, Wissenschaftlerinnen und Vertreterinnen der Zivilgesellschaft aus Deutschland und Kosova. Das Projekt wurde von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Rahmen des Programms „Migration entwicklungspolitisch gestalten“ gefördert.
Ausgangspunkt des Projekts war die Überzeugung, dass nachhaltige Gleichstellungspolitik den kontinuierlichen Dialog, gegenseitiges Lernen und den Austausch bewährter Praktiken über Ländergrenzen hinweg erfordert. Ziel war es daher, Frauen aus politischen Parteien und der Zivilgesellschaft miteinander zu vernetzen, geschlechtsspezifische Herausforderungen in politischen Strukturen sichtbar zu machen und gemeinsam konkrete Ansätze für eine geschlechtergerechte Politikgestaltung zu entwickeln. Langfristig soll das Projekt dazu beitragen, die politische Teilhabe von Frauen nachhaltig zu fördern, demokratische Institutionen zu stärken und Netzwerke zwischen Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft aufzubauen.
Das Projekt umfasste drei aufeinander aufbauende Bausteine:
Workshop in Prishtina (Mai 2025)
Zum Auftakt kamen vom 29. bis zum 1. Juni 2025 zwanzig ausgewählte Teilnehmerinnen aus politischen Parteien und zivilgesellschaftlichen Organisationen aus Kosova zusammen. Im Mittelpunkt standen zentrale Fragen der Gleichstellungspolitik und der institutionellen Verankerung von Geschlechtergerechtigkeit innerhalb politischer Parteien.

Gemeinsam mit Expertinnen aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft setzten sich die Teilnehmerinnen mit zentralen Fragen geschlechtersensibler Politikgestaltung auseinander. Im Fokus standen unter anderem innerparteiliche Mechanismen zur Förderung von Gleichstellung, Strategien zur Kapazitätsentwicklung, der Abbau kultureller und struktureller Barrieren sowie Schutzmechanismen gegen Diskriminierung und Belästigung. Darüber hinaus wurden die Rolle von Frauen- und Jugendstrukturen in politischen Parteien sowie Ansätze für eine wirksame politische Kommunikation diskutiert. Die interaktiven Workshops wurden durch Panels mit renommierten Expert:innen ergänzt. Zu den Referent:innen zählten unter anderem die dritte stellvertretende Premierministerin und die Justizministerin Kosovas sowie Vertreterinnen von UN Women Kosova, dem National Democratic Institute (NDI), Democracy for Development (D4D) und weiteren staatlichen sowie internationalen Institutionen. Ihre fachlichen Impulse und Praxiserfahrungen bereicherten den Austausch und lieferten wertvolle Anregungen für die gemeinsame Entwicklung konkreter Handlungsempfehlungen.
Besonders wertvoll war der offene Erfahrungsaustausch zwischen den Teilnehmerinnen, die unterschiedliche politische und gesellschaftliche Perspektiven einbrachten. Der Workshop schuf einen geschützten Raum für Vernetzung, gegenseitiges Lernen und die Entwicklung gemeinsamer Lösungsansätze für geschlechtergerechte Parteistrukturen.
Studienreise nach Berlin (Juli 2025)
Der zweite Projektbaustein führte die Teilnehmerinnen im Juli 2025 nach Berlin. Ziel der Studienreise war es, Einblicke in die deutsche Gleichstellungspolitik und in institutionelle Mechanismen zur Förderung von Chancengleichheit zu gewinnen.
Im Deutschen Bundestag und im Berliner Abgeordnetenhaus fanden Gespräche mit Abgeordneten verschiedener demokratischer Parteien statt. Themen waren unter anderem gesetzliche Gleichstellungsinstrumente, Frauenförderung innerhalb politischer Parteien, feministische Politikansätze sowie aktuelle Herausforderungen durch gesellschaftliche Polarisierung, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Darüber hinaus lernten die Teilnehmerinnen die Arbeit von Gleichstellungsbeauftragten sowie die Rolle von Frauen- und Jugendorganisationen innerhalb politischer Parteien kennen.
Ein weiterer Programmpunkt war der Austausch mit der Botschaft der Republik Kosova in Berlin sowie mit feministischen Aktivistinnen und Vertreterinnen verschiedener demokratischer Parteien. In interaktiven Arbeitsformaten – insbesondere einem World Café – erarbeiteten die Teilnehmerinnen erste Impulse für ein gemeinsames Policy Paper. Die Studienreise bot damit nicht nur fachliche Impulse, sondern stärkte auch den länderübergreifenden Dialog und den Aufbau eines nachhaltigen Netzwerks engagierter Frauen.
Policy Paper (Dezember 2025)
Den Abschluss des Projekts bildete die Erarbeitung eines Policy Papers, das die wichtigsten Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen aus Workshop und Studienreise zusammenführt. Im Mittelpunkt steht die Empfehlung zur Einführung von Beauftragten für Chancengleichheit in politischen Parteien Kosovas. Die vorgeschlagene Funktion soll dazu beitragen, Gleichstellungsmaßnahmen innerhalb der Parteien systematisch zu koordinieren, institutionell zu verankern und langfristig weiterzuentwickeln.
Vor der Finalisierung wurde der Arbeitsentwurf im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung am 15. Dezember 2025 online vorgestellt und gemeinsam mit Projektbeteiligten kritisch diskutiert. Die Anregungen aus diesem Dialog flossen in die endgültige Fassung des Policy Papers ein.
Mit dem Projekt konnten DANPE & KGSC einen wichtigen Beitrag zum deutsch-albanischen Wissens- und Erfahrungsaustausch im Bereich Geschlechtergerechtigkeit leisten. Darüber hinaus bot das Projekt Raum für die Vernetzung engagierter Frauen aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft und schuf neue Möglichkeiten für den weiteren Austausch. Gleichzeitig wurden konkrete, praxisorientierte Handlungsempfehlungen erarbeitet, die politische Parteien in Kosova dabei unterstützen können, Gleichstellung strukturell zu verankern und geschlechtersensible Politik langfristig zu fördern.

